Jeder Mensch wirkt durch Gestaltung und kreiert so eine Fülle an Informationen welche verhandelt werden wollen. Das ist Teil unserer Selbstbewirkung. Das kulturelle Handeln ist der Ursprung unseres Selbstverständnisses und definiert uns als Akteure inmitten unserer Selbst. Mit der Sesshaftwerdung des Menschen begann der Kampf um Territorien. Mit der Erfindung der Schrift und der Geschichtsschreibung das Ringen um Deutungshoheit, Wissen und Wahrheit. Mit dem Internet – der grössten vom Menschen geschaffenen Ansammlung von Informationen – begann das Ringen um Einordnung, Verortung, Vernetzung und Autorenschaft.

Wir hangeln uns pausenlos von Gedanke zu Idee zu Manifest und zurück. Hashtags sind unsere Leuchttürme, unsere Screens sind die Seekarten der noch neueren Welt und ebnen damit den Weg zu neuen Ressourcen. Es entsteht dabei ein unübersehbares Universum an Informationen, bewohnt von den verschiedensten Kreaturen und Akteuren. Wir verschlingen, was uns unter die Augen kommt. Wir ernten Inhalte, von denen wir nicht wussten, dass wir, unser Geist und Körper, nach ihnen suchen. Wir handeln unmittelbar und multidimensional. Wir werten nicht, wir verwerten. Wir betreiben digital information mining.

Es geht uns dabei nicht um die Ergründung und Erschaffung von institutionell tradiertem Wissen. Amateurhaftes beziehen wir ebenso mit in unser Handeln ein, wie hochkomplexe Profi-Materie. Die Daten mit denen wir wechselwirken sind weder wahr noch falsch. Die übermittelten Zeichen unterstehen einer permanenten Verhandelbarkeit durch uns selbst und lassen uns zu Autoren werden.

Wenn wir die physische Realität als kollektiv praktizierte Fiktion begreifen, dann ist die Daheit als die freie, anarchische, radikale Version davon zu verstehen. Sie benötigt weder Konsens noch Einwilligung. Einzig das Übertragen, also das Publizieren in den Raum, erzeugt den Da-Moment. Und geht in der Daheit auf. Unsere Beziehung zur Daheit ist vergleichbar mit der einer Mykorrhiza. Die Daheit umfasst die gesamte Spanne der Auseinandersetzungsmöglichkeiten des Menschen mit sich und seiner Umwelt und berührt dabei sämtliche Wissensgebiete, Kulturkreise und Volksgruppen. Wir schliessen nichts und niemanden aus. Wir wissen und zweifeln zugleich.

 

Das Da

Mit der Veröffentlichung der ersten Website durch Tim Berners-Lee im Dezember 1990 begann sich die Welt gravierend zu verändern. Durch die nahezu exponentiell wachsende, globale Nutzung des Internets als neues Medium, etablierte sich eine neue Weise wie Information geschaffen, gelesen und verbreitet wird.

Bereits 2014 wurde die 1-Milliarden-Marke an Websites erstmals erreicht, im Jahr 2015 wurden an die 4 Millionen Stunden Videomaterial pro Tag auf Youtube hochgeladen, circa 4,3 Milliarden Facebook Nachrichten verschickt, an die 40 Millionen Tweets geteilt, über 3,5 Milliarden Suchanfragen täglich von Google verarbeitet und nahezu 205 Milliarden E-Mails pro tag verschickt.

Jeder User und jede Userin trägt zur Datenmenge bei, indem man Inhalte publiziert, kopiert, interpretiert, teilt, kreiert, transformiert, kommentiert und mittels Hyperlinks verknüpft. Die dabei entstehenden Daten und deren Zusammenhänge häufen sich auf diesem jederzeit zugänglichen Informationshaufen an.

Die digitale Parallelwelt scheint trotz ihrer ewigwährenden Jugendhaftigkeit das Grundgerüst unserer Zivilisation darzustellen. Unsere Wirtschaft, die Forschung und vor allen Dingen unser gesellschaftliches Miteinander gäbe es in der heutigen Form ohne diese Instanz nicht. Sie ist eine Errungenschaft in der Erkenntnisschöpfung des Menschen. Sie ist Rohstoff und Material, unabhängig und wertfrei, und dient der Schaffung von Neuem.

Seit mehr als 25 Jahren wächst eine nie dagewesene, transnationale, transkulturelle und jederzeit gegenwärtige Informations- und Interaktionssphäre heran, die wir als die Daheit anerkennen. Sie ist weder hier noch dort, sie ist da.

 

Unsere neuen Tools. Entwickelt für und aus dem Thema.

  1. Sedici VerlagVerlag der Dinge und Möglichkeiten. 
    Wir untersuchen und verhandeln den Umstand des experimentellen und produktiven Publikationsvorganges. Was sind verschiedene Verständnisse, Formen, Rollen und mögliche Ergebnisse? In welcher Hinsicht könnte der Prozess des Publizierens  gemeinschaftliche und transdisziplinäre Arbeitsprozesse fördern, formen oder abbilden? Und welche Rolle spielen dabei – auch hochschulinterne – Verlage?
  2.  MaxiversityDie kleinste Hochschule der Welt.
    Maxiversity is the world’s smallest university. We investigate the empowering synergetics of dialogue: two persons, one method, and the vast resources of online knowledge are all it takes to start this revolution.
  3. Destille Mediencollagen und Tutorials einfach online erstellen. (beta)
    Wir haben dieses Online-Tool entwickelt, um schnell und unmittelbar eine mediale Online-Recherche in Form eines Clips zu produzieren. Mit Link-Liste und Zeit. Im Moment noch YouTube, Vimeo und DailyMotion basiert. Der Destille-Recorder ist noch Beta. Wir arbeiten mit Hochdruck am finalen Produkt. Aber wer es versuchen möchte, hier klicken.
  4. TopicDas Recherche Link-Magazine. (beta)
    Jedes Jahr recherchiert ein neuer Jahrgang. Oftmals ähnliche Themen. Und fängt sehr oft wieder von vorne an. Weil wir bis anhin kein passables Tool entwickelt haben, um Recherchenergebnisse online abzubilden. Topic soll also nun ein Versuch sein, die Recherche unserer Studierenden im Rahmen ihrer Diplomarbeit zugänglich zu machen. Und nachlesbar für die folgenden Jahrgänge und das interessierte Publikum.

 

Grand DA Festival 2017
Knowledge in Action on Tour.
Hamburg – Rotterdam – Basel – www
1.7 – 23.9. 2017

Im August 2017 besucht das nomadische Postindustrial Design Festival, Grand DA Festival, Hamburg. Und wird seinem Credo Knowledge in Action alle Ehre machen. Auf Tour sind die Diplomierenden und Dozierenden von HyperWerk, Institute of Postindustrial Design HGK FHNW, Basel.


Festivalprogramm
Sedici VerlagDer Verlag der Dinge und Möglichkeiten • Live Rapid Publishing – im Mess Media House, gleich neben dem Suitcase-Bookstore • Virtual Valley – We are VR  • Idea Beer Bar – In dieser Bar wird mit harter Währung bezahlt: mit Ideen. • MaxiversityDie kleinste Hochschule der Welt. Wissen erleben und verhandeln – am kleinsten Institut der Welt. • Into The WhyKnowledge in Action: 16 Positionen in Form von Expertisen, Performances, Knowledge Battles, Lectures & Workshops. Lautes Denken im Urbanen Kontext – in Offspaces in der ganzer Stadt. • Das Grand Da HotelDie Festivalzentrale: Check-In und die Lobby – Der Entry Point zum Grand DA Festival, von hier aus gehts ins DA.

Während drei Tagen im August bietet das DA Festival die Chance, Feldforschung zwischen Virtueller Realität, neuen Wegen der Designausbildung und Gestaltung sowie Urbanistik und Buchdruck mitzuerleben – und mit zu gestalten. Während die Festivalzentrale als modulare Rauminstallation agiert und dabei szenographische Anleihe an den großen Kurhotels der Jahrhundertwende nimmt, definiert sich das Festival vor allem auch durch seine spannenden Offspaces. Denn je nach Werk eines Autors, Kontext und dem jeweiligen Standort, findet das DA Festival über die Stadt verteilt statt. Der Festivalkalender unterstützt die Lesung im Eissalon, das Knowledge Battle auf zwei Kuttern, das Ballett im Tram, oder die Produktionsperformance zum Aquafit Kurs im Schwimmbad. Der Vielfalt radikaler Kombinationen sind höchstens juristische Grenzen gesetzt. Die clevere Kombination von Wissenstransfer und Freizeitvergnügen lässt Festivalbesucher Wissen erleben und verhandeln.

Das DA Festival möchte die Distanz zwischen Betrachter und Design- sowie Kunstbetrieb aufbrechen, Publizieren als eine Form des lauten Denkens betreiben und Kommunikation entfachen. Dabei zugleich Fachpublikum, Touristen wie Anrainern die Stadt und die Anliegen der angehenden Gestalter und Gestalterinnen in erfrischend anderen Weise nahebringen.

Main Acts
Sedici Verlag, Maxiversity, Virtual Valley, Alexandra Stöckli, Anna Cordasco, Claudio Bernath, Claus Pfisterer, Jannik Roth, Josephine Weber, Kevin Spahija, Larissa Lang, Louis Moser, Lukas Popp, Lukas Walker, Meret Burckhalter, Nora Fankhauser, Olivia Schneider, Romain Tièche, Simon Gall und Stefano Pibiri. Dozierende Jan Knopp (DE/CH), Olivier Rossel (CH), Michael Tatschl (AT)