Das Weiterbildungsangebot «Grounded Transformation» von Prof. Ann Mbuti richtet sich an Menschen aus Design, Medien, Kunst, Kultur und Aktivismus, die Gestaltung als Werkzeug für Wandel einsetzen möchten. Die Reihe verbindet Theorie und Praxis in konkreten sozialen, politischen und ökologischen Kontexten.
Diese Vorlesungsreihe lädt dazu ein, Gestaltung als Impulsgeberin für Transformation zu begreifen. Sie zeigt experimentelle Methoden aus Design und Medienkulturen, die Wandel auf lokaler Ebene greifbar machen. Dabei stehen nicht fertige Lösungen, sondern Prozesse im Mittelpunkt, die gemeinsames Lernen, Aushandeln und Handeln ermöglichen.
Jede der sechs Vorlesungen erkundet anhand von praktischen Beispielen zentrale Fragen rund um kollaboratives Arbeiten, ökologische Verantwortung und kritische Mediennutzung. Wie können Gestaltungsprozesse kollektive Handlungsmacht fördern? Welche Rolle spielt Gestaltung für Nachhaltigkeit und regenerative Praktiken? Wie lassen sich digitale Werkzeuge bewusst und widerständig einsetzen? Welche Methoden unterstützen den Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven? Wie können Wissen und Ergebnisse so aufbereitet werden, dass sie vielen zugänglich sind?
Gestaltung wird als offenes Feld betrachtet, das Raum für neue Allianzen und unerwartete Perspektiven schafft. Ziel ist es, gemeinsam Werkzeuge zu entwickeln, die im Alltag wie im professionellen Kontext anwendbar sind. So wird «Grounded Transformation» zu einer Praxis, die kritisches Denken mit konkretem Handeln verbindet und Gestaltung als Beitrag zu einer gerechten Zukunft erfahrbar macht – kollaborativ, reflexiv und nachhaltig.
Mit Beiträgen und Gäst*innen aus dem BA Prozessgestaltung am HyperWerk, dem MA Transversal Design sowie dem Critical Media Lab des IXDM.
Anmeldung: Du kannst dich hier für die Weiterbildung anmelden!
Zugang: Die Vorlesungen finden vor Ort an der HGK Basel statt, jeweils dienstags 16:45–18 Uhr, 03.03., 10.03., 17.03., 24.03., 31.03. und 14.04.2026. Alle Vorlesungen werden aufgezeichnet und jeweils kurz nach der Veranstaltung online für Weiterbildungsteilnehmende abrufbar gemacht; für eine flexible, zeit- und ortsunabhängige Teilnahme. Die Anmeldung ist auch nach dem Start der Vorlesungsreihe möglich.
Die Vorlesungsreihe ist Teil von CoCreate und richtet sich sowohl an Studierende als auch an Weiterbildungsinteressierte. Die Vorlesungssprache ist Deutsch, einzelne Beiträge von Gäst*innen finden auf Englisch statt.
Kosten: Die Teilnahme für Weiterbildungsinteressierte kostet 450 CHF.
Dozentin: Ann Mbuti ist Professorin für Prozessgestaltung an der HGK Basel und freie Autorin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst und Popkultur. Ihre Arbeit konzentriert sich auf künstlerische Projekte, die das Potenzial für soziale, politische oder ökologische Veränderungen haben.
Derzeit beschäftigt sie sich mit Mythologien, mündlicher Geschichte, Science Fiction und der Verschmelzung von Fakten und Fiktion. annmbuti.ch
Detailprogramm
Prof. Ann Mbuti greift auf, womit sich das Institute of Experimental Design and Media Cultures aktuell beschäftigt: kollektive Gestaltungsprozesse, Storytelling & Worldbuilding, institutionelle Transformation, ökologische Verantwortung sowie der bewusste Umgang mit digitalen Infrastrukturen. Als Host der Vorlesungsreihe schafft Ann Mbuti Kontinuität zwischen den einzelnen Sessions, baut Brücken zwischen Perspektiven und übersetzt komplexe Inhalte in geteilte Lernräume.
03.03. – Was ist «Grounded Transformation»?
Eine Einführung in das Konzept der «Grounded Transformation», das Gestaltung als Mittel für lokalen Wandel versteht. Wir beziehen uns auf verschiedene theoretische Grundlagen, wie «Groundings» von Walter Rodney, die Machtverhältnisse und historische Kontexte als Ausgangspunkt für Veränderung betonen oder «Grounded Theory» als Methode, um aus konkreten Beobachtungen theoriegeleitet neue Erkenntnisse zu entwickeln.
Ziel der ersten Sitzung ist es, ein Verständnis zu entwickeln, welche Bedeutung «Grounded Transformation» als kollaboratives, reflexives und situatives Handeln für eigene Gestaltungsprozesse haben kann.
Mit Ann Mbuti
10.03. – Institutionen und ihre Infrastrukturen: Moving away from Big Tech
«Wir arbeiten mit einer Hotelsoftware,» sagt mein Gegenüber. «Das sagt viel darüber aus, wie der Laden bei uns läuft». Tatsächlich ist die bekannte deutsche Künstler*innen-Residenz kein Einzelfall. Digitale Infrastrukturen und Software bestimmen, wie wir arbeiten. Ob Hotelsoftware in der Organisation künstlerischer Arbeit, KI in der Recherche oder all-in-one Lösungen wie Microsoft Teams oder Google Suite für die kollaborative Zusammenarbeit – ohne Big Tech läuft nichts (mehr).
Unter dem Leitbild «Moving away from Big Tech» erklärt das Infrastruktur-Team des Critical Media Lab (CML) des IXDM, warum das problematisch ist und welche Werkzeuge dabei helfen, uns von «Big Tech» zu emanzipieren.
Mit dem CML Infrastruktur-Team: Das CML ist eine Idee, eine Reihe von Aktivitäten und eine Gemeinschaft von Studierenden und Forschenden, die an den Schnittstellen von Design, Medien, Kunst und Technologie arbeiten. Es ist ein Raum der Möglichkeiten, in dem eine Vielzahl von Prozessen, Praktiken und Widerständen in kollektive Projekte einfließen, die sich um kritische Medien drehen. criticalmedialab.ch
17.03. – Transformation durch Storytelling: Imaginatives Rendering
Mangroven sind mehr als Pflanzen: Sie sind lebendige Infrastrukturen, die Küsten schützen, Biodiversität fördern und Gemeinschaften mit Nahrung, Wissen und Widerstandsfähigkeit versorgen. Ausgehend von Ann Mbutis Projekt «Mangrove Ecologies» widmet sich diese Vorlesung dem gemeinsamen Spekulieren, Erzählen und Worldbuilding als gestalterische Praxis. Mangrovenlandschaften dienen dabei nicht nur als ökologischer Kontext, sondern als Ausgangspunkt für narrative und spekulative Zugänge, die menschliche und nicht-menschliche Perspektiven miteinander verweben.
Im Fokus steht Storytelling als Methode, um komplexe Zusammenhänge erfahrbar zu machen und in Realitätsentwürfe einzubinden. Wir diskutieren, wie kollektives Worldbuilding Räume eröffnet, in denen Wissen, Geschichten, Fiktion und gelebte Erfahrung zusammenkommen – und wie Gestaltung so zu einem Werkzeug wird, um andere Beziehungsweisen zu imaginieren.
Mit Ann Mbuti
24.03. – Transformation von Innen: The tools to dismantle the master’s house
Wie geht Transformation innerhalb von Institutionen? In einem Round-Table-Format geben die Gäst*innen einen Einblick in die Möglichkeiten und Spannungen beim Gestalten von Veränderung innerhalb bestehender Strukturen.
In einem spielerischen Setting widmen wir uns folgenden Fragen: Wie können Institutionen als Aushandlungsräume genutzt werden? Welche Werkzeuge wenden die Gäst*innen konkret an? Welche Konflikte entstehen beim Versuch, Wandel von innen zu gestalten? Und was bedeutet es, innerhalb von Strukturen zu bauen, die wir zugleich transformieren oder überwinden wollen? Ziel ist es, Reflexion, Erfahrungsaustausch und unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und die Vorlesungsreihe mit praxisnahen Einsichten in institutionelle Transformationsprozesse zu bereichern.
Mit Gäst*innen aus dem IXDM & Ann Mbuti
31.03. – Kollektiv gestalten: Less prep, more presence
«There is a conversation in the room that only these people at this moment can have. Find it.», schreibt adrienne maree brown in «Emergent Strategy». Sie meint damit, dass bestimmte Erkenntnisse, Einsichten und kreative Impulse im konkreten Zusammenspiel der Menschen in einem bestimmten Moment entstehen können – und dass es Räume braucht, in denen genau diese Gespräche möglich sind.
In dieser Sitzung schaffen wir einen solchen Raum mit allen Teilnehmenden des Weiterbildungsprogramms: Anstelle einer klassischen Vorlesung, arbeiten wir an einem gehaltenen Reflexionsraum zu kollektiven Transformationsprozessen. In einem Videocall übernimmt Ivana Jović die Facilitation nach dem Prinzip „Less prep, more presence“. Mit einem Fokus auf Zuhören, Resonanz und gemeinsames Weiterdenken macht die Session Gestaltung als relationale Praxis erfahrbar. (Diese Session findet ohne Studierende aus dem CoCreate-Programm statt.)
Mit Ivana Jović: Ivana ist Gestalter*in und Dozent*in im BA Prozessgestaltung am HyperWerk und leitet das Weiterbildungsprogramm des IXDM. In der Praxis als Prozess- und Kommunikationsgestalter*in arbeitet Ivana zu Kollektivität, Facilitation sowie der Gestaltung von diskriminierungssensiblen Spaces, in denen Kreativität und Verbundensein zusammenwirken. ivanajovic.com
14.04. – Transforming Systems Together: Feral Hacking as Polycrisis Alchemy
How can multispecies communities wield experimental material practices like hacking, making, jugaad, shanzai and DIY to reshape eco-social systems in times of polycrisis?
Digging into case studies across India, China, Europe and Canada, we will explore how feral hacking for systems change is inviting more-than-human communities—animal, vegetal, machine and algorithmic – to walk together across new terrains. By inviting hacker alchemy into unexpected places, we can transform the power dynamics of hegemonic structures, building regenerative futures for collective nourishment along the way—the kind that world worlds.
Here, the format of the lecture series itself will also be hacked: Prof. Dr. Kit Braybrooke will give their inaugural lecture in this setting, followed by a cosy public reception.
Mit Kit Braybrooke: Prof. Dr. Kit Braybrooke is a transmedia designer-artist and social scientist working globally to explore how systems make worlds. Their practice asks how technological innovation can invite more-than-human networks (animal, vegetal, machine, and algorithmic) to walk together across new terrains. At IXDM, they are Professor and Head of MA Transversal Design, a new MA which decolonises design by integrating critical and creative practices across society, ecology and technoscience to invite radical proposals for worlds in transition. transversaldesign.ch drkitkat.com
Credits: Die Bilder sind aus dem Projekt «Mangrove Ecologies», einem Residency-Programm zwischen Lamu, Kenia, und Basel, Schweiz. Ann Mbuti wirft darin die Fragen auf, was es bedeutet, künstlerische Forschung in einem Umfeld zu betreiben, das von Machtungleichgewichten und Ausbeutung geprägt ist. Welche Arten des Austauschs sind möglich? Welche Formen der Fürsorge sind nötig? Mehr Informationen hier.