Was passiert, wenn wir Zukunft dort beginnen lassen, wo wir aufmerksam wahrnehmen, was im Hier und Jetzt entsteht: wer uns gegenübersteht, wie wir miteinander in Verbindung kommen und welche Möglichkeiten sich daraus entwickeln?
Bei Wow im Now, der Nacht der Zukünfte der FHNW am 2. September 2026 wurde der Campus Muttenz für einen Abend zu einer Landschaft aus verschiedenen Zukunftsstationen. Expert:innen aus der ganzen FHNW kamen zusammen, um unterschiedliche Perspektiven auf unsere Zukunft zu teilen und direkt miteinander ins Gespräch zu kommen.
Diese Durchführung der Nacht der Zukünfte entstand als «Nacht der Zukünfte featuring Prozessgestaltung». Das Format wurde in Co-Creation mit den Innovationsmanagerinnen der FHNW Désirée Harmuth, Sandra Hermle, Svenja Herzog und Alexandra Signer sowie dem Dozent:innen-Duo Ivana Jović und Anna Laederach aus dem BA Prozessgestaltung am HyperWerk der HGK Basel FHNW entwickelt, in Zusammenarbeit mit Anna Herzig, Leiterin Eventmanagement am FHNW Campus Muttenz, und vielen weiteren Beteiligten.
Die Zusammenarbeit war dabei selbst Teil des Prozesses. Wow im Now war nicht einfach ein Veranstaltungsformat, sondern das Ergebnis eines längeren gemeinsamen Entwickelns zwischen den Zukunftsfeldern, der Prozessgestaltung, dem Eventteam am Campus Muttenz, Expert:innen aus allen zehn FHNW-Hochschulen sowie Alumnae:i der Prozessgestaltung.
Die Nacht der Zukünfte fand im Rahmen der Exploration Week statt, der ersten hochschulübergreifenden und interdisziplinären Studienwoche der FHNW anlässlich ihres 20-jährigen Jubiläums.
| «Komm an. Setz dich. Bleib einen Moment. Schau, was passiert.»
Beim Ankommen erhielten die Besucher:innen ihr Wow-im-Now-Kit: einen Plan, ein Kissen und einen Kopfhörer. Der Plan half bei der Orientierung, aber einen festen Weg gab es nicht. Niemand musste die Stationen der Reihe nach besuchen oder alles sehen.
| «Geh dorthin, wo dich etwas neugierig macht. Hör zu. Probier etwas aus. Komm ins Gespräch. Zieh weiter. Oder verweil.»
Genau darin lag ein zentraler Gedanke von Wow im Now: Zukunft nicht nur besprechen, sondern erfahrbar machen durch Begegnung und Austausch.
Das Kissen begleitete die Besucher:innen durch den Abend. Produziert im und aus Wolle aus dem Haslital, schuf es einen Ort zum Verweilen, genau dort, wo der Moment dazu einlud. Es ist Teil von woolkin, einem Projekt von Anna Laederach und Daniel Nikles an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel FHNW in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Umwelt FHNW zur nachhaltigen Nutzung von Schweizer Wolle.
Zukunftsstationen als dezentrales Eventkonzept
Über den Campus verteilt entstanden verschiedene Anknüpfungspunkte rund um die drei Zukunftsfelder Future Health, New Work und Zero Emission. Die Stationen waren als sinnliche Anknüpfungspunkte und erlebbare Metaphern gedacht, die neue Perspektiven auf die strategisch verankerten Themenfelder der FHNW eröffneten und zur vertieften Auseinandersetzung einluden.
Zubereiten & Schmecken: Gemeinsam zubereiten, degustieren und ins Gespräch kommen. Was beeinflusst unsere Gesundheit in Zukunft?
Begegnen & Bewegen: Neue Formen von Zusammenarbeit nicht nur besprechen, sondern erleben. Zwischen Bewegung, Robotik und spontanen Begegnungen.
Umformen & Spüren: Materialien verändern, Kreisläufe entdecken und Nachhaltigkeit mit den eigenen Händen erfahren.
Dazwischen bewegten sich Menschen mit Kopfhörern auf den Ohren und Kissen unter dem Arm durch den Campus. Einige wechselten zwischen den Stationen, andere blieben. Es wurde gekocht, ausprobiert, gefilzt, diskutiert, beobachtet und zugehört.
| «Vielleicht beginnt eine neue Verbindung genau hier.»
Live-Podcast als Parallelstruktur
Währenddessen lief aus der Aula der Live-Podcast. Er begleitete den Abend als roter Faden. Über die Kopfhörer konnte er überall auf dem Campus mitverfolgt werden, solange die Reichweite reichte.
Gehostet wurde das mehrstündige Radioprogramm von den Alumnae:i des BA Prozessgestaltung Jodok Achermann und Agnes Leclaire. Beide brachten Erfahrung mit prozessgestalterischen Radioformaten mit und überführten diese Praxis in die besondere Situation des Abends. Die Gespräche fanden an einem Tisch in der Aula statt und waren gleichzeitig weit darüber hinaus mitverfolgbar. Menschen konnten direkt vor Ort zuhören oder mit den Stimmen im Ohr weiterziehen.
In wechselnden Gesprächsrunden trafen Expert:innen aus unterschiedlichen Hochschulen und Disziplinen aufeinander. Es ging unter anderem darum, was Zukunftsforschung für das Handeln im Heute leisten kann, wie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammengehen, für wen New Work funktioniert, welche Rolle KI für Gesundheit und Zusammenarbeit spielen kann und wie kreislauffähige und gesunde Lebensräume entstehen.
So liefen unterschiedliche Situationen parallel. Während in der Aula in hochschulübergreifenden Konstellationen zu den Zukunftsfeldern gesprochen wurde, kam jemand vielleicht beim Zubereiten von Pizza, Tacos oder Summer Rolls ins Gespräch, spielte Tischtennis oder Schere-Stein-Papier gegen einen Roboter, arbeitete mit Filznadel und Wolle am eigenen Kissen weiter oder zog mit Kopfhörern zur nächsten Station.
Zwischen den Gesprächen lief eine Auswahl aus der Creative Friction Playlist. Im Rahmen der Exploration Week waren Studierende gefragt worden: «Welcher Song bringt dich in Bewegung oder gibt dir Energie?» Aus ihren Antworten entstand die Playlist, die den Abend immer wieder durchzog.
Material als Verbindung oder: Was ist ein Prozessobjekt?
Besucher:innen waren eingeladen, Spuren des Abends in die Kissen einzuarbeiten. Hier brachten Ambre Bork und Noa Steiner, Alumnae:i des BA Prozessgestaltung, mit ihrer gestalterischen Praxis Rethingkin eine wichtige Perspektive auf Materialität in Wow im Now ein. Ihre Arbeit hinterfragt unsere Beziehung zu Materialien und knüpfte damit direkt an das Konzept des Abends an, bei dem Material nicht nur gezeigt, sondern angefasst, umgeformt und als Teil von Beziehungen verstanden wurde.
An der Station Umformen & Spüren lagen unter anderem Filznadeln und farbige Wolle bereit. Blumen, abstrakte Formen und Buchstaben fanden ihren Weg in die gefilzten Wollkissen. Manche Besucher:innen hörten via Kopfhörer dem Live-Podcast zu, andere kamen beim Arbeiten miteinander ins Gespräch.
Das Kissen verstanden wir als Prozessobjekt. Es war eine Einladung zum Ankommen, Weiterziehen und erneuten Verweilen. Es konnte dorthin mitgenommen und dort abgelegt werden, wo etwas Spannendes entstand, und schuf einen Anlass, sich dazuzusetzen und mit anderen in Kontakt zu kommen. Gleichzeitig lud es dazu ein, etwas mit den Händen zu tun, nahm Spuren des Abends auf und trug sie weiter.
On Connection: Prozessgestaltung und Zusammenarbeit
Viele der an diesem Abend erprobten Praktiken knüpften an Fragen an, mit denen sich Ivana Jović und Anna Laederach in ihrer gemeinsamen künstlerischen Forschung On Connection beschäftigen. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Arten von Einladungen welche Arten von Verbindungen ermöglichen und welche Rolle Sprache, Zuhören, Materialien, Prozessobjekte, räumliche Situationen sowie gemeinsame Haltungen und Handlungen dabei spielen können.
On Connection beschäftigt sich mit der Frage, wie wir uns in Zeiten von gesellschaftlicher Fragmentierung, Überforderung, Trauer und Isolation einander zuwenden können, auch wenn wir unterschiedliche Geschichten, Positionen und Bedürfnisse mitbringen. Verbindung wird dabei nicht zwingend als Harmonie verstanden, sondern als Praxis von Aufmerksamkeit und Solidarität.
Bei Wow im Now wurden diese Fragen in unterschiedlichen Formen erprobt. Bereits die Entwicklung des Abends war ein Prozess der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Hochschulen, Rollen und gestalterischen Praxen. Im Live-Podcast kamen Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen und Hochschulen miteinander ins Gespräch. An den Zukunftsstationen entstanden Verbindungen über gemeinsames Tun, Material, Bewegung und Essen.
Auch die Zusammenarbeit mit Alumnae:i war dabei zentral. Jodok Achermann und Agnes Leclaire gestalteten mit dem Live-Podcast die auditive Ebene des Abends, Ambre Bork und Noa Steiner brachten mit Rethingkin ihre materialbasierte Praxis ein. Damit flossen Erfahrungen und Arbeitsweisen aus dem Studium zurück in ein gemeinsames Format und entwickelten sich in einem neuen Kontext weiter.
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Anna und Ivana danken den Innovationsmanagerinnen, besonders Désirée Harmuth, für das entgegengebrachte Vertrauen und die Freude an der Zusammenarbeit. Mögen aus diesem gemeinsamen Prozess noch viele weitere Blumen erblühen.