Das Open House 2026 am BA Prozessgestaltung am HyperWerk ist ein verdichteter Moment kollektiver Praxis. Nach zwei Wochen intensiver Projektarbeit, unserer «Open House Residency», entstehen am Tag des Open House selbst zwischen Gängen, Werkstätten, Seminarräumen, WC-Kabinen und Aussenraum temporäre Begegnungen. Menschen setzen sich in einen Erinnerungsgarten, hören zu und stimmen ein beim Singen widerständiger Lieder, knüpfen Fäden an einer Tischdecke der Imperfektion, diskutieren anhand von interaktiven Karten über Wohneigentum oder helfen unserem Roboter, Wolle zu waschen.
«hands on!» meint, sich Zeit zu nehmen, es wirklich anzugehen, Verantwortung zu teilen und Räume gemeinsam zu gestalten. Gegen Vereinzelung. Gegen Ohnmacht. Für kollektive Zukunftsentwürfe.
Was sichtbar wird, sind keine fertigen Antworten, sondern Prozesse. Projekte, die sich mit Transformativer Gerechtigkeit, Gestaltung im Spital oder Zugänglichkeit im Ausstellungskontext beschäftigen und dabei immer wieder dieselbe Frage stellen: Wie kann widerständige Gestaltung im Alltag wirksam werden?
Viele Arbeiten versuchen bewusst Zugänge zu eröffnen, zum Beispiel mit einfacher Sprache, Sitzmöglichkeiten, ruhigen Zonen oder informellen Ansprechpersonen. Andere konfrontieren mit oppressiven Strukturen, dem Umgang mit Krankheit, Enteignung oder autoritären Tendenzen. «How do you feel in the current state of fascism?», fragt zum Beispiel der Antifaschistische Lesekreis.
Besucher*innen sind eingeladen, Teil des Geschehens zu sein. Gestaltung zeigt sich nicht als Produkt, sondern als Beziehung zwischen Menschen, Materialien und ihren Geschichten.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der digitalen Drehscheibe des Open House wider. Die Plattform ist sowohl Einladung, Signaletik als auch Archiv. Jedes Projekt wird dort durch einen selbst getöpferten Krug repräsentiert. Als Gefäss wird er zur Metapher, die Unterschiedliches fassen und aushalten kann. Die Krüge verweisen auf den gemeinsamen Entstehungsprozess des Open House. Aus diesen Momenten nehmen die Projektgruppen nun wertvolle Erkenntnisse für ihre Prozesse und die nächste Iteration mit.